

Inwieweit wird künstliche Intelligenz unsere Arbeit als Physiognomiker künftig ergänzen oder 'gar konkurrieren?
Geoffrey Hinton, ex-Google-Chef und einer der bekanntesten Pioniere im Bereich von KI, hat sich in den letzten Jahren zunehmend kritisch gegenüber der Technologie geäussert, an deren Entwicklung er massge- blich beteiligt war. Hinton warnt sogar, dass KI zu einer ernsthaften Bedrohung für die Menschheit werden könnte. Das gefährliche ist weniger die Komplexität der künstlichen Gehirne - da ist der Mensch noch deutlich voraus. Dafür können KI-Modelle aber viel mehr Daten sammeln und auswerten und dadurch viel schneller lernen. Mehrere Instanzen des Modells können ausserdem parallel lernen und ihr Wissen allen anderen Instanzen zugänglich machen. Das ist dem Menschen unmöglich.
Das Wissen, das sich KI aneignet verdoppelt sich alle 3 - 4 Monate! KI ist ein Prozess, den es so noch nicht gegeben hat. Die Entwicklung humanoider Roboter schreitet mit Hochgeschwindigkeit voran. Die Arbeitswelt könnte bald ganz anders aussehen. Jobs im 2-stelligen Millionenbereich sollen angeblich verloren gehen, insbesondere in der Verwaltung, im kaufmännischen Bereich, aber auch Uebersetzer, Buchhalter, Analysten, Juristen, Lehrer oder in der Forschung an Universitäten. KI-Tools und humanoide Roboter könnten die Einstellung von Menschen in fast allen Branchen unwirtschaftlich machen. Aktuell hören wir dies von Néstle, welche den Personalbestand um 16'000 Mitarbeiter reduzieren will. Schon heute lesen und hören wir von Personalabbau in den verschiedensten Branchen. Wo sollen alle diese Menschen eine neue Arbeit finden?
Ob Hintons düstere Prognosen eintreffen oder nicht, bleibt abzuwarten. Eine grosse Herausforderung wird die Sinnhaftigkeit sein: ohne Arbeit hätten viele Menschen Schwierigkeiten, ihren Alltag zu füllen oder sich nützlich zu fühlen. Für viele Menschen ist ihre Arbeit das, was ihrem Leben Sinn gibt. Wir sehen schon heute eine massive Zunahme von Menschen mit Depressionen und Burnouts, sowie anderen psychischen Sorgen.
WAS VERSPRICHT KI ZU SEIN?
KI scheint, eine neue Qualität mit sich zu bringen. Die neue Technik kann Inhalte selbständig erzeugen und Experten gelingt es bislang nicht, nachzuvollziehen, wie KI dies macht. Und so müssen wir uns fragen, womit wir es bei KI eigentlich zu tun haben. Ist sie ein grosser Hoffnungsträger, oder zerstört KI die Welt, wie wir sie kennen? Wohin geht die Reise? Wird KI uns verstehen? Welche Gefahren gehen von ihr aus? Wie wird sich unser Leben verändern? Aber natürlich auch: welche Vorteile bringt sie uns? Ist sie unser Werkzeug oder wird sie sich verselbständigen? Fragen über Fragen.
NIMMT UNS KI WICHTIGE ENTSCHEIDUNGEN AB?
Betrachten wir zunächst das Positive. KI ermöglicht den Zugang zur Welt. Sie schafft Raum für tolle neue Projekte. Themen und Daten gibt es genug, bei denen uns KI behilflich sein könnte. KI an sich ist also nichts Schlechtes. Die Möglichkeiten, die KI bietet, sind enorm - von medizinischen Durchbrüchen über autonomes Fahren bis hin zur Lösung globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel.
Die Risiken einer Technologie, die möglicherweise "intelligenter" wird als wir, sind groß – intelligenter vielleicht nicht, aber rascher, effizienter, agiler und mit breiterem Wissen.
Die Frage beleuchtet die Konsequenzen, wenn der Mensch sich zunehmend auf "intelligente" technische Hilfsmittel verlässt und Entscheidungen delegiert. Algorithmen ermöglichen KI-Lernen, indem wir sie mit Daten füttern – je mehr Input, desto besser die Optimierung. Entscheidend bleiben die Parameter, mit denen KI gespeist und weiterentwickelt wird.. Problematisch ist das Denken, das im KI-Kontext um sich greift: Man glaubt, das menschliche Gehirn imitieren und einen intelligenteren Computer schaffen zu können. Das wird niemals gelingen, denn KI fehlt das Entscheidende – der menschliche Geist.. Und dennoch: Wenn KI bald Gedichte und Liebeslieder schreibt, werden menschliche Gefühle und Beziehungen zunehmend durch Bildschirme vermittelt. Trotz ständiger Erreichbarkeit wächst die Einsamkeit, da Technologie echte Vertrautheit erschwert..
WO BLEIBT DIE LEHRE DER AUSDRUCKS-PSYCHOLOGIE DABEI?
WIE WIRD IHR STELLENWERT BEEINFLUSST?
Bei KI handelt es sich um ein maschinelles Lernen: "Nur Maschinen können Maschinen verstehen"
(Alain Turing, Mathematiker, 1912-1954). Es wird schwierig, wenn grundlegende Daten und Informationen fehlen, wie z.B. Menschenkenntnis und Empathie. Da beginnt KI ganz selbständig zu halluzinieren und zu erfinden. Verlassen wir uns zusehends vermehrt oder schlussendlich gänzlich auf die Bewertung der KI, verlieren wir viel Wertvolles, Menschliches, nämlich:
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Eigenständigkeit, Selbstvertrauen, Empathie und die uns angeborene Intuition!
(für eine richtige Menschenkenntnis unerlässliche Attribute)
WO BLEIBT DER MENSCH MIT SEINE BESONDEREN QUALITAETEN?
Physiognomik fokussiert sich auf den Menschen als Individuum mit Stärken, Herausforderungen, Talenten und Fähigkeiten, nutzt Mimik, Gestik und Körpersprache basierend auf der Ueberzeugung "wie innen, so außen". KI eignet sich für Statistiken und Datenanalysen, kann aber den menschlichen Umgang mit individuellen Facetten nicht ersetzen. KI soll ein wertvolles Hilfsmittel bleiben, jedoch kein alles bestimmendes und 'gar entscheidendes technisches Werkzeug werden.
MASCHINELLE BEURTEILUNG IM PERSONAL-REKRUTIERUNGSPROZESS?
Wenn KI auf Knopfdruck Bilder, Analysen oder Einschätzungen von Menschen liefert, können wir uns dann wirklich darauf verlassen? Laufen wir nicht Gefahr, unsere eigene Intuition und Fähigkeiten zu vernachlässigen, bis sie verkümmern? Übermäßige Abhängigkeit von KI führt dazu, dass es immer schwieriger wird, Fehler und Fälschungen zu erkennen.. KI basiert vollständig auf Algorithmen, doch ihre Verlässlichkeit entfaltet sich erst im Verbund mit dem Menschen – seinen Gefühlen, seiner Empathie und vor allem seiner Intuition. Diese Säulen tragen die Menschenkenntnis und damit die physiognomische Psychologie, die Wissenschaft vom Menschen.
KANN JETZT JEDER ALLES, SO WIE ES KI VERSPRICHT?
Nein, natürlich nicht. KI ist in der Welt um sie besser zu verstehen. Das gelingt aber nur, wenn wir die Kontrolle über sie nicht verlieren und sie nicht frei laufen lassen. KI kennt die Wesen nicht, die sie geschaffen haben und sie kennt die Welt nicht, auf der sie leben. Wenn KI also den Menschen nicht kennt, wie soll sie über ihn ent- scheiden und ihn "bewerten" können? KI ist uns sehr nützlich, wenn wir sie zu unserem Vorteil verwenden. In jedem von uns schlummert eine unendliche Intelligenz und innere Kraft. Vertrauen wir darauf und lernen wir einfach, intelligent und sinnvoll mit KI umzugehen.
VERLIEREN WIR NICHT DEN GLAUBEN AN UNS SELBER!
Wir entwickeln uns mit der Welt weiter, auch wenn sie sich rasant verändert. In einer zunehmend technisierten Welt können wir bewusst wählen, menschlich zu bleiben – durch Authentizität, Empathie und tiefe Verbindungen.
"Je mehr ich von meinem eigenen Selbstwert überzeugt bin, desto mehr inspiriere ich andere, an ihren Selbstwert zu glauben. Auf diese Weise verändere ich die Welt".
(John Strelecky)
Markus E. Straubinger
Januar 2026